Trotz der steigenden Zahl an Cyber-Angriffen unterschätzen viele Unternehmen nach wie vor die aktuelle Bedrohungslage. Das gilt vor allem für die Baubranche. Während viele Baufirmen sich in den vergangenen Jahren hastig bemüht haben, sich digital aufzustellen, haben viele von ihnen versäumt, für ausreichend Datenschutz und IT-Sicherheit zu sorgen.
Der mittlerweile hohe Digitalisierungsgrad der Baubranche, die starke Abhängigkeit von Daten und die vielfältigen Angriffsflächen, die durch das komplexe digitale Ökosystem von Baustellen, Büros, vernetzten Maschinen, mobilen Geräten und sowohl im Büro als auch auf der Baustelle genutzter Software entstehen, setzen Bauunternehmen zahlreichen Cyber-Gefahren aus. Aktuellen Erhebungen zufolge ist die Baubranche nach der IT-Branche die am zweithäufigsten von Ransomware-Attacken betroffene Branche, wobei 23 % aller Angriffe mittels Erpressungstrojanern auf Bauunternehmen abzielen.
Dieser Artikel bietet einen Überblick über die wichtigsten Cyber-Bedrohungen für den Bausektor und erklärt, wie eine Cyberversicherung Bauunternehmen gegen Cyber-Angriffe und deren Folgen absichern kann.
Die Baubranche hat in den letzten Jahren eine große Digitalisierungswelle erlebt. Die folgenden Beispiele zeigen, für welche Prozesse und Aufgaben moderne Bauunternehmen auf digitale Systeme und fortschrittliche Technologien setzen.
Building Information Modeling (BIM):
BIM ermöglicht es Bauunternehmen, umfassende 3D-Modelle von Gebäuden zu erstellen, die neben geometrischen Formen auch weitere relevante Informationen zu Materialien, Kosten und mehr enthalten.
Bausoftware:
Bausoftwarelösungen kommen in Bauunternehmen bei vielen verschiedenen Aufgaben zum Einsatz, darunter für Baudokumentation, Bestandsaufnahmen und Aufgabenzuweisung.
3D-Druck:
3D-Drucker können direkt vor Ort auf der Baustelle eingesetzt werden, um komplexe Strukturen und Bauelemente zu erstellen, um die Bauzeit zu reduzieren und Materialverschwendung zu reduzieren.
Sensortechnologie und Internet of Things (IoT):
Der Einsatz moderner Sensortechnologie in Gebäuden und Baumaschinen, die über IoT verknüpft sind, ermöglicht es, umfangreiche Datensätze zu sammeln.
Autonome Maschinen und Roboter:
Moderne Bauunternehmen setzen auf Baustellen zunehmend autonome Maschinen und Roboter ein, um die Effizienz zu steigern und physisch anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen.
Einsatz von Drohnen:
Drohnen können in der Baubranche in vielfacher Hinsicht eingesetzt werden, von der Erstellung von Luftbildaufnahmen bis hin zur Geländevermessung.
Der zunehmende Einsatz von digitalen Tools und Systemen hilft Bauunternehmen, ihre Effizienz zu steigern und Projekte schneller abzuschließen. Gleichzeitig erhöht ein höherer Digitalisierungsgrad jedoch das Risiko, dass Unternehmen Cyber-Angriffen zum Opfer fallen. Hier sind die wichtigsten Cyber-Bedrohungen für Unternehmen der Baubranche in der Übersicht.
Ransomware-Angriffe können dazu führen, dass für den Projektfortschritt essenzielle Daten wie Baupläne oder CAD-Zeichnungen verschlüsselt werden. Für die Freigabe der Daten können Cyber-Kriminelle hohe Lösegeldsummen fordern, die die Existenz des Unternehmens bedrohen können.
Cyber-Kriminelle können mittels gefälschter E-Mails versuchen, Mitarbeitende zur Weitergabe von Zugangsdaten für die interne Bausoftware oder sonstigen sensiblen Daten zu bewegen. Ziele dieser Phishing-Angriffe sind häufig Bauleiter, Projektmanager oder Mitarbeitende in der Buchhaltungsabteilung.
Von Ausschreibungsunterlagen und Angebotskalkulationen über Baupläne bis hin zu Kundendaten - Bauunternehmen speichern viele Daten, die für Cyber-Kriminelle interessant sind. Das macht Datendiebstahl zu einem ernstzunehmenden Risiko für Bauunternehmen, das zu Wettbewerbsnachteilen und Erpressung führen kann.
Werden infolge einer Ransomware-Attacke oder eines anderweitigen Datendiebstahls personenbezogene Daten (z. B. Kundendaten oder Rechnungsdaten) kompromittiert, kann das zu Datenschutzverletzungen führen, die nicht nur finanzielle und rechtliche Konsequenzen, sondern auch Reputationsschäden und Vertrauensverluste auf der Seite von Kunden und Geschäftspartnern nach sich ziehen können.
IoT-Geräte (z. B. vernetzte Gebäudesensoren) und vernetzte Maschinen können gehackt werden. So können Kriminelle beispielsweise Baustellensensoren manipulieren und die Messdaten verfälschen oder autonome Baustellenfahrzeuge lahmlegen. Die Folge sind signifikante Prozessunterbrechungen und Projektverzögerungen.
Der Einsatz von Softwarelösungen und anderen Tools außerhalb des Firmengeländes und die digitale Kommunikation zwischen Mitarbeitenden vor Ort auf der Baustelle und den Kollegen im Büro birgt das Risiko von Man-in-the-Middle-Angriffen. Bei dieser Cyber-Angriffsart schalten sich Cyber-Kriminelle in den digitalen Austausch ein, um Nachrichten abzufangen und sie zu manipulieren. Dadurch können zum Beispiel Materialbestellungen oder Lieferanweisungen verändert werden, was zu kostspieligen Projektverzögerungen führt.
Gerade in Unternehmen, die Bauprojekte in Millionenhöhe betreuen und durchführen, sind Insider-Bedrohungen ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Unzufriedene Mitarbeitende können ihren Zugriff auf die Systeme missbrauchen, um Daten zu manipulieren oder zu löschen und so Projekte zu sabotieren.
Mitarbeitende, die von der Konkurrenz abgeworben werden oder das Unternehmen aus Unzufriedenheit verlassen, können außerdem geheime Projektinformationen weitergeben oder geistiges Eigentum (z. B. innovative Bauverfahren oder Designs) stehlen. Das wiederum kann zu einem Verlust an Innovationskraft und verlorenen Wettbewerbsvorteilen führen.
Wie real die Bedrohung durch Cyber-Attacken auf Unternehmen der Baubranche wirklich ist, zeigen die folgenden Beispiele aus den Medien.
Ransomware-Angriff auf Wohnungsbaugesellschaft
2020 wurde die Münchner GWG Wohnungsbaugesellschaft Opfer eines Ransomware-Angriffs, in dessen Folge die IT-Systeme des Konzerns blockiert sowie zahlreiche Daten (inklusive der Daten auf Backup-Servern und externen Datensicherungen) verschlüsselt wurden. Für die Freigabe der Systeme forderten die Hacker ein Lösegeld.
Personenbezogene Daten im Darknet veröffentlicht
Im März 2023 fiel das deutsche Bauunternehmen Matthäi einer Ransomware-Attacke zum Opfer, bei der Kriminelle personenbezogene Daten und Informationen zu Geschäftskontakten stahlen. Da das Unternehmen nicht auf die gestellte Lösegeldforderung einging, veröffentlichten die Angreifer die Daten im Darknet.
Je digitaler Bauunternehmen arbeiten, desto besser sollten sie ihre Systeme und Daten schützen. Hier sind ein paar praktische Tipps für mehr Cyber-Sicherheit in der Baubranche.
Regelmäßige Updates:
Bausoftware, CAD-Programme und andere Softwarelösungen sollten regelmäßig mit Updates bespielt werden, um Schwachstellen zu schließen.
Datenverschlüsselung:
Eine starke Verschlüsselung für sensible Daten wie Baupläne, Projektdaten und personenbezogene Daten zu implementieren, kann helfen, den Schaden im Falle einer Ransomware-Attacke zu begrenzen.
VPN-Client:
Beim Remote-Zugriff auf Systeme (z. B. von einer Baustelle aus) sollten sichere VPN-Verbindungen genutzt werden.
Mitarbeiterschulungen:
Die Mitarbeitenden durch regelmäßige Schulungen für Cyber-Bedrohungen zu sensibilisieren, ist eine elementare Cyber-Sicherheitsmaßnahme.
Netzwerksegmentierung:
Mittels Netzwerksegmentierung lassen sich Baustellensysteme vom restlichen Netzwerk isolieren, um für mehr Sicherheit zu sorgen.
Backup-Strategie:
Regelmäßige Backups helfen, den Schaden bei einer Ransomware-Attacke zu reduzieren. Die Backup-Strategie sollte dem 3-2-1-Prinzip folgen (drei Datenkopien, zwei Speichermedien, davon eins außerhalb des Firmengeländes).
Firewalls:
Firewalls sollten nicht nur für Systeme und Geräte genutzt werden, die im Büro zum Einsatz kommen, sondern auch auf IoT-Geräten und autonomen Maschinen auf Baustellen eingerichtet werden.
Technische und organisatorische Präventionsmaßnahmen helfen Bauunternehmen, ihre IT-Sicherheit zu verbessern und das Risiko von Cyber-Angriffen zu verringern. Da jedoch selbst die besten Sicherheitsmaßnahmen keinen hundertprozentigen Schutz bieten, sollten Unternehmen der Baubranche sich zusätzlich durch den Abschluss einer Cyberversicherung absichern. Hier ist eine Übersicht, welche Leistungen eine Cyberversicherung für Bauunternehmen bieten kann.
Bauunternehmen haben in der Regel verschiedene betriebliche Versicherungen, um sich gegen diverse Risiken abzusichern. Manche dieser Versicherungen können Schäden, die im Zusammenhang mit Cyber-Attacken entstehen, unter Umständen bereits teilweise abdecken. Hier ist eine Übersicht, in welchen Bereichen es punktuell zu einer Überschneidung mit einer Cyberversicherung kommen kann.
Bestehen mehrere Versicherungen, die das gleiche Risiko abdecken, kann es passieren, dass die Versicherungen im Schadensfall aufeinander verweisen und sich weigern, für den Schaden aufzukommen. Bei vielen Cyberversicherungen gilt hingegen das Prinzip der vorrangigen Deckung. Das bedeutet, dass die Cyberversicherung als vorrangige Versicherung im Schadensfall direkt greift, unabhängig davon, ob der Versicherungsfall auch unter einem anderen Versicherungsvertrag mitversichert wäre.
Moderne Bauunternehmen setzen immer mehr auf digitale Tools und Technologien, um Prozesse zu rationalisieren und ihre Effizienz zu steigern. Während die Digitalisierung in der Baubranche für Verbesserungen sorgt, schafft sie auch neue Risiken in der Form von Cyber-Bedrohungen.
Um sich in der digital vernetzten Bauwirtschaft bestmöglich vor Cyber-Risiken zu schützen, sollten Bauunternehmen nicht nur in ihre IT-Sicherheit investieren, sondern auch das verbleibende Restrisiko mit einer Cyberversicherung absichern. Ein Spezialmakler kann Bauunternehmen helfen, eine passende Cyberversicherung zu finden, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.
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