Mit der zunehmenden Digitalisierung setzen Transportunternehmen immer mehr auf GPS-Tracking, vernetzte IoT-Geräte und cloudbasierte Flottenmanagementsysteme, um Transporte effizient zu steuern. Doch genau diese Technologien bieten Cyber-Kriminellen neue Angriffsflächen.
Ransomware-Attacken, Hackerangriffe auf Telematiksysteme und Manipulation von Lieferketten bedrohen nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze Versorgungssysteme. Der IBM Security X-Force Threat Intelligence Index 2022 listet die Transportbranche auf Platz sieben der zehn am häufigsten von Cyber-Kriminalität betroffenen Branchen.
Dieser Artikel gibt einen Überblick über die größten Cyber-Bedrohungen für Transportunternehmen und zeigt, wie eine Cyberversicherung helfen kann, digitale Risiken zu minimieren und die Folgen eines Angriffs abzusichern.
In modernen Transportunternehmen kommen immer mehr Technologien zum Einsatz, um zum Beispiel Transportrouten zu optimieren und dadurch die Effizienz zu erhöhen. Hier ist ein Überblick verschiedener Tools, die das steigende Digitalisierungsniveau der Branche verdeutlichen.
Transportmanagementsysteme (TMS):
Transportmanagementsysteme dienen der Planung, Optimierung und Abwicklung von Transportaufträgen sowie der Integration von Lieferanten und Logistikdienstleistern, um Prozesse zu automatisieren und entlang der Lieferkette zu verfolgen.
Telematiksysteme:
Telematiksysteme sind verknüpfte IT- und Telekommunikationslösungen, die dabei helfen, Fahrzeugflotten in Echtzeit zu überwachen. Sie können Daten zu Standort, Geschwindigkeit, Kraftstoffverbrauch und Fahrzeugzustand erheben und übermitteln.
Real-Time Locating System (RTLS):
Mit einem Real-Time Locating System können Transportunternehmen Objekte wie Fahrzeuge, Container und Frachtgüter in Echtzeit lokalisieren und verfolgen.
Digitale Dokumentation:
Von digitalen Frachtbriefen und elektronischen Signaturen bei der Warenannahme bis hin zu digital geführten Fahrtenbüchern - die Dokumentation erfolgt in den meisten Transportunternehmen heutzutage nicht mehr auf Papier, sondern digital.
IoT-Geräte:
Das Internet of Things (IoT) erlaubt es Speditionen und anderen Transportdienstleistern, intelligente Geräte wie zum Beispiel Sensoren in Fahrzeugen oder Containern zu vernetzen, um Faktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit oder Erschütterungen zu überwachen.
Der zunehmende Einsatz von digitalen Tools und modernen Technologien erlaubt es Transportunternehmen, ihre Prozesse zu optimieren und ihre Effizienz zu steigern. Gleichzeitig führt die zunehmende Digitalisierung aber zu neuen Risiken.
Auch wenn knapp zwei Drittel der Unternehmen regelmäßig Sicherheitsaudits und Mitarbeiterschulungen zum Thema IT-Sicherheit durchführen (Quelle: Bitkom), bleibt die aktuelle Bedrohungslage durch Cyber-Angriffe weiterhin ein Risiko. Hier ist ein Überblick der wichtigsten Cyber-Bedrohungen für die Branche.
Bei einer Ransomware-Attacke verschlüsseln die Angreifer betriebskritische Daten und fordern für die Freigabe ein Lösegeld. Für Transportunternehmen können solche Angriffe besonders weitreichende Konsequenzen haben. Schaffen es Cyber-Kriminelle beispielsweise, essenzielle Auftragsdaten wie Abhol- und Lieferadresse, Liefertermin und Abholzeitfenster zu verschlüsseln, ist eine sehr kostspielige Betriebsunterbrechung die Folge.
Transportunternehmen arbeiten mit einer Vielzahl an Daten. Kriminelle können versuchen, sensible Daten wie Kundeninformationen, Routenpläne oder Lieferdetails zu stehlen. Werden Kundendaten im Darknet veröffentlicht, kann das zu Datenschutzverletzungen führen, die weitreichende rechtliche und finanzielle Folgen haben können. Große internationale Transportunternehmen sind zudem dem Risiko der Wirtschaftsspionage ausgesetzt. Beim Verlust von Betriebsgeheimnissen drohen gravierende Wettbewerbsnachteile.
Supply-Chain-Angriffe stellen für Transportunternehmen eine besondere Bedrohung dar. Im digitalen Zeitalter sind Spediteure, Verladeunternehmen und Infrastrukturbetreiber stark miteinander vernetzt, um die Prozesse besser abzustimmen. Der hohe Vernetzungsgrad der Systeme und die Komplexität der Lieferketten führt dazu, dass Cyber-Kriminelle viele Möglichkeiten haben, Schwachstellen zu finden und Schäden anzurichten, die weitreichende Auswirkungen entlang der kompletten Supply Chain haben können.
Beim Phishing versuchen Kriminelle, Mitarbeitende eines Transportunternehmens mithilfe von Manipulationstechniken zu überlisten und sie zur Weitergabe von Zugangsdaten für zentrale Systeme wie für das Transportmanagementsystem oder das Telematiksystem zu bringen. Sind diese Angriffe erfolgreich, erhalten die Angreifer Zugriff auf die Logistiksysteme des Unternehmens und können so Daten stehlen, manipulieren oder anderweitig Schaden anrichten.
IoT- und Telematiksysteme sind für moderne Transportunternehmen ein wichtiges Instrument zur Steuerung der Prozesse und zur erfolgreichen Auftragsabwicklung. Hacker können versuchen, sich Zugriff auf diese Systeme zu verschaffen und sie zu manipulieren, um den Betrieb zu stören und Schaden anzurichten. Indem sie zum Beispiel IoT-gestützte Kühlsysteme manipulieren, können sie die Temperatur in einem Kühltransport erhöhen. Das kann dazu führen, dass verderbliche Waren während des Transports schlecht werden und das Unternehmen Schadensersatz zahlen muss.
GPS- und Navigationssysteme sind in der Transportbranche unverzichtbar. Durch verpasste Updates oder Sicherheits-Patches können jedoch Sicherheitslücken entstehen, die Cyber-Kriminelle ausnutzen können, um diese Systeme zu manipulieren. So können Kriminelle zum Beispiel die Routenplanung stören und Fahrzeuge gezielt umlenken - entweder um sie für einen Raubüberfall in abgelegene Gebiete zu lotsen oder um die Lieferkette zu unterbrechen.
Auch wenn viele Unternehmen die Gefahr durch digitale Bedrohungen nach wie vor unterschätzen, sind Cyber-Angriffe auf Transportunternehmen längst keine Seltenheit mehr. Die folgenden Beispiele aus den Medien zeigen, wie real die Bedrohung ist.
Cyber-Angriff auf Expeditors International
2022 wurde das große Speditionsunternehmen Expeditors International of Washington Opfer einer Cyber-Attacke, die die Systeme des Unternehmens für etwa drei Wochen lahm legte und Kosten in Höhe von 60 Millionen Dollar verursachte.
Cyber-Attacke auf Speditionskonzern Hellmann
Ende 2021 fiel der Osnabrücker Speditionskonzern Hellmann einer Cyber-Attacke zum Opfer. Nachdem das Unternehmen den Angriff bemerkt hatte, wurden direkt alle Verbindungen zum zentralen Rechenzentrum gekappt, um Datenverluste und sonstige Manipulationen zu verhindern. In der Folge kam es zu erheblichen Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb.
Aufgrund ihrer kritischen Rolle in der Aufrechterhaltung von weltweiten Lieferketten ist die Transportbranche ein beliebtes Ziel für Cyber-Angriffe. Transportunternehmen sollten das Thema Cyber-Sicherheit deshalb proaktiv angehen und entsprechende organisatorische und technische Präventionsmaßnahmen ergreifen, um sich gegen Cyber-Bedrohungen zu schützen. Hier sind ein paar praktische Tipps, wie Transportdienstleister ihre IT-Sicherheit verbessern können.
Mitarbeiterschulungen:
Durch regelmäßige Schulungen können Mitarbeitende für die Einhaltung von IT-Sicherheitsrichtlinien sensibilisiert werden. Auch Schulungen zum Erkennen von Manipulationstechniken wie Phishing und Social Engineering können helfen, die Erfolgschancen von Angriffen zu minimieren.
Regelmäßige Updates:
Damit veraltete Systeme nicht zu einem Sicherheitsrisiko werden, sollten Software und Betriebssysteme kontinuierlich aktualisiert und neue Sicherheitspatches umgehend eingespielt werden.
Datensicherung:
Regelmäßige Backups (inklusive Offline-Sicherung) von allen wichtigen Daten erleichtern die Datenwiederherstellung nach einem Ransomware-Angriff.
Sicherheitsaudits und Penetrationstests:
Große Transportunternehmen, die eine komplexe IT-Infrastruktur haben, sollten regelmäßig Sicherheitsaudits und Penetrationstests durchführen, um Sicherheitslücken zu identifizieren und direkt zu schließen.
Entwicklung eines Notfallplans:
Um den Schaden im Falle eines Angriffs möglichst gering zu halten, sollten Transportunternehmen einen Notfallplan erstellen, der im Ernstfall ein schnelles und gezieltes Vorgehen ermöglicht.
Zugriffskontrollen:
Die Zugriffsrechte auf Daten und Systeme sollten rollenbasiert vergeben werden. Der Einsatz von Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) sorgt für zusätzliche Sicherheit.
Absicherung der Lieferkette:
Transportunternehmen sollten die IT-Sicherheitsstandards ihrer Partner und Dienstleister überprüfen und Richtlinien für einen sicheren Datenaustausch entwickeln.
Absicherung von IoT-Geräten
IoT-Geräte, die zur Überwachung von Lagern und Fahrzeugen eingesetzt werden, sollten durch Maßnahmen wie Firewalls abgesichert werden.
Seit 2021 gehört der Transport- und Verkehrssektor zu den Kritischen Infrastrukturen und fällt damit unter die KRITIS-Verordnung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Sofern Transportunternehmen KRITIS-relevant sind (auch als Teil einer entsprechenden Lieferkette), gelten für sie die Bestimmungen der Verordnung und sie müssen sicherstellen, dass sie ausreichend gegen Cyber-Angriffe geschützt sind.
Durch das Implementieren von IT-Sicherheitsmaßnahmen können Transportunternehmen ihr Risiko, einem Cyber-Angriff zum Opfer zu fallen, deutlich verringern. Das bestehende Restrisiko kann durch eine Cyberversicherung abgesichert werden.
Eine Cyber-Police sichert Unternehmen in der Transport- und Logistikbranche gegen die finanziellen und haftpflichrechtlichen Konsequenzen einer Cyber-Attacke ab und bietet darüber hinaus wertvolle Assistance- und Präventionsleistungen. Hier ist eine Übersicht, was eine solche Versicherung vor, während und nach einem Cyber-Vorfall leisten kann.
Je nach Szenario können mehrere betriebliche Versicherungen in einen Schadensfall involviert sein. Das liegt daran, dass es punktuell zu Überschneidungen zwischen einer Cyberversicherung und anderen Versicherungen kommen kann. Bei Transportunternehmen können das zum Beispiel die folgenden Versicherungen sein:
Bestehen mehrere Versicherungen, die das gleiche Risiko abdecken, kann es passieren, dass die Versicherungen im Schadensfall aufeinander verweisen und sich weigern, für den Schaden aufzukommen. Bei vielen Cyberversicherungen gilt hingegen das Prinzip der vorrangigen Deckung. Das bedeutet, dass die Cyberversicherung als vorrangige Versicherung im Schadensfall direkt greift, unabhängig davon, ob der Versicherungsfall auch unter einem anderen Versicherungsvertrag mitversichert wäre.
Die Transportbranche steht zunehmend im Fokus von Cyber-Attacken. Die hohe Abhängigkeit von digitalen Systemen und die Komplexität der Lieferketten bieten Cyber-Kriminellen viele Angriffspunkte. Mit einer Cyberversicherung können sich Transportunternehmen gegen die finanziellen, rechtlichen und rufschädigenden Konsequenzen eines Cyber-Angriffs absichern.
Um einen passgenauen Versicherungsschutz zu erhalten, der ihr individuelles Risiko perfekt abdeckt und gute Konditionen bietet, sollten sich Unternehmen vor dem Versicherungsabschluss umfassend beraten lassen. CyberDirekt berät Transportunternehmen kompetent und umfassend zum Thema Cyber-Bedrohungen und hilft ihnen dabei, die passende Versicherung für ihre Bedürfnisse zu finden.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ist nicht als Beratung zu verstehen. Die CyberDirekt GmbH lehnt jegliche Haftung für Handlungen ab, die Sie aufgrund der in diesem Artikel enthaltenen Inhalte vornehmen oder unterlassen.