Anwaltskanzleien und Steuerberaterbüros arbeiten mit vielen sensiblen Mandantendaten, darunter Gerichtsunterlagen, Bankdaten und Buchhaltungsdaten. Das macht sie zu einem attraktiven Ziel für Cyber-Kriminelle, die versuchen, Schwachstellen in den zunehmend digitalisierten Kommunikations- und Organisationsstrukturen auszunutzen, um sich Zugriff auf diese Daten zu verschaffen.
Sind solche Angriffe erfolgreich, kann das verheerende Folgen haben. Die sichere Verwahrung von Mandanteninformationen ist essenziell für das Kundenvertrauen und Datenschutzverstöße oder sonstige Cyber-Vorfälle können gravierende Rufschäden und weitreichende rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Vor allem, da sich das Haftungsrisiko für Kanzleien bei Cyber-Angriffen durch ein Urteil des EuGH erhöht hat.
Dieser Artikel bietet einen Überblick über die wichtigsten Cyber-Bedrohungen für Steuer- und Anwaltskanzleien und erklärt, wie eine Cyberversicherung Steuerberater und Anwälte gegen digitale Risiken und die Folgen eines Cyber-Angriffs absichern kann.
Moderne Steuerberater- und Anwaltsbüros setzen immer mehr moderne Technologien ein, die Arbeitsprozesse erleichtern und digitales Arbeiten ermöglichen. Hier sind Beispiele für die zunehmende Digitalisierung von Anwalts- und Steuerkanzleien:
Digitale Mandantenakten
Genau wie in Arztpraxen sind auch in Anwalts- und Steuerkanzleien die Akten zunehmend digitalisiert und auch Dokumenten werden digital verwaltet.
Automatisierte Prozesse:
Sowohl in Steuer- als auch in Anwaltskanzleien gibt es viele Arbeitsabläufe, die regelmäßig wiederkehren und mittlerweile häufig mit Tools automatisiert werden.
Kanzleimanagement-Software:
Eine Kanzleisoftware unterstützt bei der Verwaltung von Mandantenakten, Fristen und Terminen sowie bei der Finanzverwaltung und der Automatisierung von manuellen Prozessen.
Elektronische Buchhaltung:
Von der Rechnungsstellung bis hin zur Kanzleibuchführung erfolgt mittlerweile nahezu alles digital.
Videokonferenzen:
Videokonferenzen für Gespräche mit Mandanten, die nicht zu einem persönlichen Termin erscheinen können, nehmen immer mehr zu.
Spracherkennungssoftware:
Zum Anfertigen von Diktaten und Schriftsätzen setzen immer mehr Anwalts- und Steuerkanzleien auf Spracherkennungssoftware.
Quelle: Legal-Tech.de
Mit steigendem Digitalisierungslevel steigt auch das Risiko für Steuer- und Anwaltskanzleien, Opfer eines Cyber-Angriffs zu werden. Hier ist ein Überblick der wichtigsten Cyber-Bedrohungen für die Branche.
Über Phishing-E-Mails versuchen Cyber-Kriminelle unter Vortäuschung einer falschen Identität Passwörter und Zugangsdaten für zum Beispiel die Kanzleisoftware abzugreifen. Sind solche Angriffe erfolgreich, drohen Datenschutzverletzungen, Rufschädigung und finanzielle Schäden wegen rechtlichen Auseinandersetzungen und Schadensersatzzahlungen.
Aufgrund der großen Menge an sensiblen Daten, die sie verarbeiten und speichern, sind Anwalts- und Steuerberaterbüros beliebte Ziele für Ransomware-Attacken. Wenn sie es schaffen, sich Zugriff auf die Kanzleisoftware zu verschaffen, können Cyber-Kriminelle Mandantenakten verschlüsseln und für die Freigabe ein Lösegeld fordern. Zu den möglichen Schäden zählen Betriebsunterbrechungen, Datenverluste und Reputationsschäden.
Identitätsdiebstahl stellt für Anwalts- und Steuerkanzleien eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Cyber-Kriminelle können die Identität von Anwälten und Steuerberatern für Straftaten nutzen. Zum Beispiel indem sie sich für die jeweilige Person ausgeben und so gezielte Phishing- oder Social-Engineering-Attacken durchführen.
Aktuelle oder ehemalige Beschäftigte können absichtlich oder unabsichtlich eine Sicherheitsverletzung herbeiführen, indem sie zum Beispiel gegen die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht verstoßen und sensible Daten an Dritte weitergeben. Auch durch das Einspielen eines kompromittierten Updates durch einen Kanzleimitarbeiter kann es zu einem Datenverlust kommen. In beiden Fällen können der Verlust von Mandantenvertrauen und hohe Kosten aufgrund von Gerichtsverfahren die Folge sein.
Eine unbeabsichtigte Offenlegung von Mandantendaten kann zu Verstößen gegen die DSGVO führen und ernsthafte rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Das kann zum Beispiel passieren, wenn Cyber-Kriminelle Schwachstellen in einem veralteten Dokumentenmanagementsystem ausnutzen, um Daten zu stehlen.
Für große international arbeitende Kanzleien stellen auch DDoS-Angriffe (Distributed Denial of Service) eine Bedrohung dar. Cyber-Kriminelle können die Kanzlei-Server mit einer hohen Zahl an Anfragen überlasten und so erreichen, dass die Website beispielsweise kurz vor einen wichtigen Frist nicht mehr erreichbar ist. Neben Umsatzverlusten durch Nichterreichbarkeit und Betriebsunterbrechung droht in einem solchen Szenario auch ein großer Vertrauensverlust bei den Mandanten.
Hacker können Einfallstore wie veraltete Software, unsichere Netzwerke oder unzureichend geschützte Cloud-Dienste ausnutzen, um sich Zugang zu Daten und Systemen zu verschaffen. Zum Beispiel könnten sie eine noch nicht gepatchte Schwachstelle in der Kanzleisoftware nutzen, um sie zu infiltrieren und Daten abzugreifen oder anderweitig Schaden anzurichten.
Die folgenden Beispiele aus der Medienberichterstattung zeigen, dass es sich bei den oben aufgeführten Cyber-Angriffsszenarien tatsächlich um reale Bedrohungen handelt, die Rechts- und Anwaltskanzleien ernstnehmen sollten.
E-Mail-Kommunikation lahmgelegt:
2023 wurde die große deutsche Anwaltskanzlei Graf von Westphalen (GvW) Opfer einer Cyber-Attacke, bei der Cyber-Kriminelle die IT-Systeme der Kanzlei infiltriert haben. Der Vorfall legte die E-Mail-Kommunikation der Kanzlei lahm und führte zu Verzögerungen bei der Bearbeitung von Anfragen aufgrund von Analyse- und Wiederherstellungsarbeiten an den Systemen.
IT-Systeme blockiert und Daten verschlüsselt:
Die deutsche Anwaltskanzlei Kapellmann Rechtsanwälte erlebte 2023 einen Ransomware-Angriff, der die IT-Systeme an allen Unternehmensstandorten blockierte und Unternehmensdaten verschlüsselte. Der Vorfall führte zu einer erheblichen Betriebsunterbrechung, in deren Folge sich die Bearbeitung vieler Anfragen und Dossiers verzögerte. Dank vorhandener Cyberversicherung konnte die Anwaltskanzlei den Schaden erheblich abmildern.
Erpressungstrojaner blockiert Großkanzlei:
Im Jahr 2017 befand sich auch die internationale Großkanzlei DLA Piper auf der Liste der Unternehmen, die durch den Erpressungstrojaner Petya betroffen waren. In der Folge des Angriffs war das IT-System der Kanzlei an allen internationalen Standorten für mehrere Tage nicht erreichbar, wodurch die über 9.000 Beschäftigten nur sehr eingeschränkt erreichbar waren.
Aufgrund der großen Mengen an sensiblen Daten, mit denen Steuer- und Anwaltskanzleien jeden Tag arbeiten, ist es für sie unerlässlich, ihre Cyber-Sicherheit zu verbessern. Um sich besser vor Cyber-Attacken zu schützen, sollten Anwalts- und Steuerbüros die folgenden Maßnahmen ergreifen.
Regelmäßige Sicherheitsupdates:
Systeme und Software sollten regelmäßig aktualisiert werden, um sicherzustellen, dass keine Sicherheitslücken entstehen, die Cyber-Kriminelle ausnutzen könnten.
Backups:
Regelmäßig Backups aller Daten anzufertigen, die für den Geschäftsbetrieb gebraucht werden, ist eine wichtige präventive Maßnahme, um die Schäden eines Ransomware-Angriffs abzumildern.
Multi-Faktor-Authentifizierung:
Eine Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) schafft eine zusätzliche Authentifizierungsstufe und verringert das Risiko, dass Unbefugte sich Zugriff auf Systeme verschaffen, nachdem sie per Phishing die notwendigen Passwörter gestohlen haben.
Mitarbeiterschulungen:
Vor allem Mitarbeitende, die am Empfang arbeiten, sollten in regelmäßigen Abständen an Schulungen zum Thema Cyber-Bedrohungen teilnehmen. Diese Schulungen können helfen, sie für Phishing und andere digitale Betrugsmaschen zu sensibilisieren und ein größeres Cyber-Sicherheitsbewusstsein zu schaffen.
Datenverschlüsselung:
Gespeicherte Daten zu verschlüsseln, ist eine effektive Maßnahme, um personenbezogene Daten und sensible Mandanteninformationen zu schützen.
Sichere Mandantenkommunikation:
Steuer- und Anwaltskanzleien sollten mit einer speziellen Software arbeiten, die eine sichere Dokumentenfreigabe und eine verschlüsselte Kommunikation ermöglicht.
Trotz guter Cyber-Sicherheitsmaßnahmen lässt sich das Risiko, dass es zu einem Cyber-Angriff kommt, nicht gänzlich ausschließen. Um das Restrisiko abzudecken und sich im Ernstfall vor den finanziellen Folgen zu schützen, sollten Anwalts- und Steuerkanzleien eine Cyberversicherung abschließen.
Je nach Leistungsumfang kann eine Cyber-Police eine Vielzahl digitaler Risiken und damit verbundener Schäden abdecken. Hier ist ein Überblick, mit welchen Leistungen eine solche Versicherung Kanzleien im Falle eines Cyber-Vorfalls unterstützt:
Steuerberaterbüros und Anwaltskanzleien haben in der Regel verschiedene Versicherungen, um sich gegen betriebliche Risiken abzusichern. Je nach Versicherungsbedingungen können einige digitale Risiken bereits durch andere betriebliche Versicherungen abgedeckt sein. Überschneidungen mit einer Cyberversicherung können zum Beispiel bei den folgenden Versicherungen auftreten.
Bestehen mehrere Versicherungen, die das gleiche Risiko abdecken, kann es passieren, dass die Versicherungen im Schadensfall aufeinander verweisen und sich weigern, für den Schaden aufzukommen. Bei vielen Cyberversicherungen gilt hingegen das Prinzip der vorrangigen Deckung. Das bedeutet, dass die Cyberversicherung als vorrangige Versicherung im Schadensfall direkt greift, unabhängig davon, ob der Versicherungsfall auch unter einem anderen Versicherungsvertrag mitversichert wäre.
Auch Anwalts- und Steuerkanzleien sehen sich immer häufiger im Visier von Cyber-Kriminellen, die versuchen, sich Zugang zu Daten und Systemen zu verschaffen. Damit Hackerangriffe und Ransomware-Attacken nicht zum Verlust sensibler Daten und zu weitreichenden finanziellen Schäden führen, sollten Kanzleien auf die Abdeckung durch eine Cyberversicherung setzen.
Um einen passgenauen Versicherungsschutz zu guten Konditionen zu finden, empfiehlt sich die Beratung durch einen Spezialmakler, der das individuelle Risikoprofil der Kanzlei ermitteln und darauf aufbauend einen passenden Versicherungstarif vorschlagen kann.
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ist nicht als Beratung zu verstehen. Die CyberDirekt GmbH lehnt jegliche Haftung für Handlungen ab, die Sie aufgrund der in diesem Artikel enthaltenen Inhalte vornehmen oder unterlassen.