Cyberversicherung für Arztpraxen

 

Arztpraxen geraten zunehmend ins Visier von Cyber-Kriminellen, da sie viele hochsensible Daten verarbeiten und damit gut erpressbar sind. Mit digitalen Patientenakten, einer wachsenden Anzahl an vernetzten Geräte und dem flächendeckenden Einsatz von Praxisverwaltungssystemen haben Kriminelle zahlreiche Angriffsflächen.

Trotzdem hält sich jede zweite Praxis für zu klein, um ein mögliches Ziel für Hacker zu sein. Das führt dazu, dass das Thema IT-Sicherheit von Ärzten und Zahnärzten häufig vernachlässigt wird - zumal sie in der Regel nicht über die notwendigen Kenntnisse und Ressourcen verfügen, um umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die wesentlichen Cyber-Bedrohungen für Arztpraxen und zeigt auf, wie eine Cyberversicherung Praxen vor digitalen Risiken schützen und sie gegen die Folgen eines Cyber-Angriffs absichern kann.

Wie digitalisiert sind Arztpraxen?

Moderne Arztpraxen nutzen zunehmend digitale Technologien, um Arbeitsabläufe zu optimieren und eine effizientere Patientenversorgung zu ermöglichen. Hier sind einige Beispiele, an welchen Stellen digitale Lösungen in Arztpraxen zum Einsatz kommen.

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Elektronische Patientenakte (ePA):

Genau wie in Steuer- und Anwaltskanzleien sind auch in Arztpraxen die Akten zunehmend digitalisiert. Auch andere Dokumente werden digital verwaltet.

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Praxisverwaltungssysteme: 

Praxisverwaltungssysteme (PVS) sind ein zentraler Bestandteil des digitalen Praxismanagements. Sie helfen bei der Verwaltung elektronischer Patientenakten, der digitalen Terminplanung, der Erstellung von Abrechnungen und mehr.

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E-Rezepte:

Elektronische Rezepte ersetzen zunehmend das traditionelle Papierrezept und sollen den Verordnungsprozess in Arztpraxen, Apotheken und Krankenkassen effizienter und sicherer machen.

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Digitale Anamnese:

In verschiedenen Arztpraxen können Patienten ihre medizinische Vorgeschichte sowie ihre aktuellen Beschwerden bereits vor dem Arztbesuch online erfassen, um Zeit zu sparen.

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Anschluss an die Telematikinfrastruktur:

Die Telematikinfrastruktur (TI) ist das zentrale Netz im Gesundheitswesen, über das alle damit in Verbindung stehenden Akteure kommunizieren und Daten austauschen. Für Vertragsärzte ist der Anschluss obligatorisch.

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Videosprechstunden: 

Für mobil eingeschränkte Patienten bieten Sprechstunden per Videokonferenz eine gute Alternative, um eine erste ärztliche Einschätzung zu erhalten.

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Online-Terminvergabe: 

Um die Anzahl der Anrufe zu reduzieren und das Praxisteam zu entlasten, ermöglichen immer mehr Ärzte und Zahnärzte die Terminbuchung über einen Online-Kalender.

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Digitale Medikationspläne:

Ein digitaler Medikationsplan bietet eine elektronische Übersicht über alle Medikamente, die ein Patient einnimmt.

Digitalisierung in Arztpraxen in Zahlen:
  • Über 80 % der Arztpraxen dokumentieren Patientendaten mehrheitlich oder vollständig digital (Quelle: Jameda).
  • Der Anteil der Arztpraxen, die digitale Befunddaten und Arztbriefe versenden oder empfangen, ist von unter 20 % im Jahr 2021 auf rund 35 % im Jahr 2022 gestiegen (Quelle: Jameda).
  • Die Nutzung von E-Rezepten ist zwischen Januar und November 2023 um 800 % gestiegen (Quelle: Statista).
  • 78 % der Arztpraxen wären bei einer Lahmlegung ihrer IT-Systeme deutlich in ihrem Betrieb eingeschränkt (Quelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft).

Die häufigsten Cyber-Bedrohungen für Arztpraxen

Die zunehmende Digitalisierung in Arztpraxen ermöglicht eine bessere Patientenversorgung, schafft aber gleichzeitig neue Risiken, denen sich Ärzte und Zahnärzte bewusst sein müssen. Hier ist ein Überblick über die häufigsten Cyber-Bedrohungen, mit denen sich Arztpraxen konfrontiert sehen.

 

1. Ransomware-Attacken

Ransomware-Angriffe sind eine besondere Bedrohung für Arztpraxen, die täglich viele sensible Patientendaten verarbeiten und speichern. Werden Patientendaten wie Diagnosen, Laborbefunde und Behandlungspläne verschlüsselt, die erst gegen die Zahlung eines Lösegelds wieder freigegeben werden, kann das verheerende Auswirkungen auf die Behandlung von Patienten und deren Vertrauen in die Praxis haben.

 

2. Datendiebstahl

Hacker können in die IT-Systeme von Arztpraxen eindringen, sensible Patientendaten stehlen und diese als Erpressungsmittel nutzen, um ein Lösegeld zu fordern. Solche Angriffe gefährden nicht nur den Datenschutz, sondern auch das Vertrauen der Patienten und können darüber hinaus erhebliche rechtliche und finanzielle Folgen für die Praxis haben.

 

3. Phishing

Mithilfe von gefälschten E-Mails, die angeblich von Krankenkassen oder Patienten stammen, oder gefälschten Websites versuchen Cyber-Kriminelle die Praxismitarbeitenden zu täuschen und so Zugangsdaten zu Praxisverwaltungssystemen oder Telematik-Infrastrukturen zu stehlen. Sind Phishing-Angriffe erfolgreich, können sich Angreifer Zugriff auf Patientendaten und Abrechnungsinformationen verschaffen.

 

4. Datenschutzverletzungen

Ob durch menschliches Versagen (z. B. weil Mitarbeitende auf eine Phishing-Attacke hereingefallen sind) oder durch einen gezielten Hackerangriff, unbefugter Zugriff auf Patientendaten kann zu schwerwiegenden rechtlichen und finanziellen Konsequenzen wegen Verstößen gegen die DSGVO führen. Hinzu kommen weitreichende Reputationsschäden, die das Patientenvertrauen erschüttern können.

 

5. Veraltete Systeme und Sicherheitslücken

Viele Arztpraxen wiegen sich in falscher Sicherheit, was ihr eigenes Risiko betrifft, einer Cyber-Attacke zum Opfer zu fallen. Dementsprechend wenig investieren sie in ihre eigene IT-Sicherheit, nutzen häufig veraltete IT-Systeme oder Software mit bekannten Sicherheitslücken oder führen keine regelmäßigen Systemupdates durch. Das schafft Schwachstellen, die Cyber-Kriminelle ausnutzen können.

 

6. Insider-Bedrohungen

Insider-Bedrohungen können sowohl von verärgerten als auch von unwissentlich agierenden Mitarbeitenden ausgehen. Unzufriedene Mitarbeitende oder externe Dienstleister könnten zum Beispiel absichtlich sensible Patientendaten weitergeben oder die Praxissysteme sabotieren. Gleichzeitig kann auch die Unachtsamkeit von Mitarbeitenden dazu führen, dass Daten abfließen (z. B. nach einem erfolgreichen Phishing-Versuch).

 

7. Manipulation von IoT-Geräten

Medizinische Geräte, die über das Internet of Things (IoT) vernetzt sind, können gehackt und manipuliert werden. So können Kriminelle beispielsweise Geräte wie EKGs oder Blutdruckmessgeräte manipulieren, sodass sie falsche Messwerte erzeugen oder unbrauchbar werden. Neben der finanziellen Belastung, wenn Geräte ersetzt oder repariert werden müssen, stellen solche Angriffe eine Gefahr für die Patientensicherheit dar, wenn es dadurch zu fehlerhaften Diagnosen oder Behandlungen kommt.

 

8. Man-in-the-Middle-Angriffe

Bei einem Man-in-the-Middle-Angriff fangen Angreifer Nachrichten in der digitalen Kommunikation der Arztpraxis mit externen Partnern ab, um Daten abzugreifen oder die Nachrichten zu verändern. Zum Beispiel könnten Kriminelle die Abrechnung mit einem externen Gesundheitsdienstleister abfangen und eine manipulierte Rechnung mit einer anderen Bankverbindung weiterleiten.

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Die aktuelle Bedrohungslage durch Cyber-Kriminalität

Wie hoch ist die aktuelle Bedrohung für Organisationen und welchen Schaden fügen Cyber-Kriminelle unserer Wirtschaft zu? 

Beispiele für Cyber-Angriffe auf Arztpraxen

Auch wenn viele Arztpraxen ihr eigenes Risiko, Opfer eines Cyber-Angriffs zu werden, nach wie vor als sehr gering einschätzen, zeigen aktuelle Schadenbeispiele und Medienberichte, dass die Bedrohung durch digitale Risiken für das Gesundheitswesen durchaus real ist.

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Hackerangriff auf Augsburger Wertachkliniken

Im September 2024 wurden die Wertachkliniken bei Augsburg Opfer eines Cyber-Angriffs, bei dem das EDV-Hauptsystem blockiert wurde. In der Folge liefen die Klinikprozesse nur noch analog und Operationen mussten abgesagt werden.

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Hackerangriff auf Kliniken im Kreis Soest

Im Februar 2024 legte ein Hackerangriff auf den Klinikverbund Soest weite Teile des Computersystems im Dreifaltigkeits-Hospital in Lippstadt und in den Krankenhäusern in Erwitte und Geseke lahm. Wegen des Vorfalls konnten die Einrichtungen vorübergehend keine neuen Patienten aufnehmen und mussten geplante Operationen verschieben.

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Virus in Gemeinschaftspraxis in Mittelfranken

Eine mittelfränkische Arztpraxis wurde im Februar 2024 Opfer einer Malware-Attacke. Über eine manipulierte PDF-Bewerbung wurde eine Schadsoftware eingeschleust, die alle Daten verschlüsselte und Kommunikationssysteme lahmlegte. Zwei Tage später forderten die Angreifer 35.000 Euro Lösegeld zur Freigabe der Patientendaten. Der Gesamtschaden belief sich auf 88.000 Euro.

Cyber-Sicherheitstipps für Arztpraxen

Auch wenn 80 % der Ärzte und Zahnärzte meinen, sie wären ausreichend gegen Cyber-Kriminalität geschützt, erfüllen viele von ihnen bei Weitem nicht die grundlegenden IT-Sicherheitsmaßnahmen, die für den Gesundheitssektor empfohlen werden. Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Cyber-Security-Maßnahmen für Arztpraxen.

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Starke Passwörter:

Die Vergabe starker Passwörter ist ein grundlegender Schritt, um die Praxissysteme zu schützen. Als zusätzliche Sicherheit sollten Praxen außerdem eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) einrichten.

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Regelmäßige Backups:

Arztpraxen sollten ihre Daten in regelmäßigen Abständen sichern, um die Wiederherstellung im Falle einer Ransomware-Attacke zu erleichtern. Idealerweise erfolgt die Sicherung nach dem 3-2-1-Prinzip (drei Kopien, zwei Speichermedien, davon eins extern).

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Automatische Updates:

Updates und Sicherheits-Patches für Systeme und Geräte sollten eingespielt werden, sobald sie verfügbar sind. Das stellt sicher, dass Sicherheitslücken schnell behoben werden. Idealerweise sollten Arztpraxen automatische Updates einrichten.

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Sicherer Umgang mit E-Mails:

Mitarbeitende sollten für den sicheren Umgang mit E-Mails sensibilisiert werden. Dazu gehört es, den Absender und den Betreff einer jeden E-Mail vor dem Öffnen sowie den Inhalt jeder Nachricht auf Plausibilität zu prüfen und im Zweifel nachfragen, bevor gehandelt wird.

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Mitarbeiterschulungen:

Im Rahmen von speziellen Schulungen können Mitarbeitende für das Thema IT-Sicherheit sensibilisiert und im Erkennen von Phishing-E-Mails geschult werden.

Gut zu wissen:

Für Vertragsärzte gelten bestimmte Mindestanforderungen zur Gewährleistung der IT-Sicherheit. Diese Mindestanforderungen sind in der IT-Sicherheitsrichtlinie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) definiert und umfassen unter anderem Maßnahmen wie die Nutzung aktueller Virenschutzprogramme und Firewalls und die Verschlüsselung sensibler Daten bei Speicherung und Übertragung.

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Maßnahmen zur Prävention von Cyber-Angriffen

Die wichtigsten Strategien und Maßnahmen, um Cyber-Angriffe zu verhindern oder frühzeitig abzuwehren und Unternehmen nachhaltig abzusichern.

Wie eine Cyberversicherung Arztpraxen schützt

Trotz starker IT-Sicherheitsmaßnahmen lässt sich das Risiko, dass es zu einem Cyber-Angriff kommt, nie vollständig ausschließen. Als zusätzliche Absicherung empfiehlt sich für Arztpraxen der Abschluss einer Cyberversicherung, die für die Schäden einer Cyber-Attacke aufkommt. Hier ist ein Überblick, welche Leistungen eine Cyberversicherung für Ärzte und Zahnärzte bieten kann.

  • Übernahme der Kosten für die Wiederherstellung von verschlüsselten oder gelöschten Patientenakten, Diagnosen und Behandlungsplänen
  • Ausgleich von Umsatzausfällen und Übernahme der laufenden Kosten, wenn die Praxis aufgrund eines Cyber-Angriffs vorübergehend nicht arbeiten kann
  • Kostenübernahme für PR-Maßnahmen zur Schadensbegrenzung bei Reputationsschäden durch Datenlecks sensibler Patienteninformationen
  • Haftpflichtschutz gegen Schadensersatzansprüche von Patienten, die von einer Datenschutzverletzung betroffen sind
  • Rechtsberatung und Prozesskostenübernahme bei rechtlichen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Datenschutzverletzungen
  • Absicherung von Lösegeldforderungen im Rahmen eines Ransomware-Angriffs (je nach Vertragsbedingungen)
  • Bereitstellung von und Kostenübernahme für IT-Forensiker zur Untersuchung des Vorfalls und zur anschließenden Behebung von Sicherheitslücken in den Praxissystemen
  • Übernahme der Kosten für die gesetzlich vorgeschriebene Information betroffener Patienten bei Datenschutzverletzungen
  • Bereitstellung eines Expertenteams zur Incident Response im Falle eines Cyber-Angriffs, um den Praxisbetrieb schnell wiederherzustellen
  • Präventionsangebote wie Mitarbeiterschulungen, Risikobewertung und Sicherheitsberatung

Welche Cyber-Schäden können bereits durch andere Versicherungen abgedeckt sein?

Arztpraxen haben typischerweise bereits verschiedene betriebliche Versicherungen, um sich gegen diverse Risiken abzusichern. Bei einigen Versicherungen kann es zu punktuellen Überschneidungen mit einer Cyberversicherung kommen, sodass manche Schäden, die im Zusammenhang mit einer Cyber-Attacke entstehen, unter Umständen bereits teilweise durch andere Policen abgedeckt sind. Das kann zum Beispiel für die folgenden Versicherungen der Fall sein.

  • Elektronikversicherung: Eine Elektronikversicherung schützt technische Geräte wie Server, Computer oder medizinische Geräte vor Schäden. Je nach Police können auch Schäden abgedeckt sein, die durch einen Cyber-Angriff entstehen.
  • Rechtsschutzversicherung: Eine Rechtsschutzversicherung kann eine Arztpraxis auch bei rechtlichen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Cyber-Angriffen unterstützen.
  • Betriebsunterbrechungsversicherung: Eine Betriebsunterbrechungsversicherung  leistet Ersatz für den entgangenen Betriebsgewinn und deckt die fortlaufenden Fixkosten bei einer Unterbrechung des regulären Praxisbetriebs.
Prinzip der vorrangigen Deckung:

Bestehen mehrere Versicherungen, die das gleiche Risiko abdecken, kann es passieren, dass die Versicherungen im Schadensfall aufeinander verweisen und sich weigern, für den Schaden aufzukommen. Bei vielen Cyberversicherungen gilt hingegen das Prinzip der vorrangigen Deckung. Das bedeutet, dass die Cyberversicherung als vorrangige Versicherung im Schadensfall direkt greift, unabhängig davon, ob der Versicherungsfall auch unter einem anderen Versicherungsvertrag mitversichert wäre.

Cyberversicherung für Arztpraxen: Fachkompetente Beratung für optimalen Versicherungsschutz

Der Schutz durch andere betriebliche Versicherungen ist bei Cyber-Schäden stark eingeschränkt und kann eine Cyberrisikoversicherung nicht ersetzen. Der Abschluss einer Cyberversicherung ist daher für Ärzte und Zahnärzte essenziell, um sich gegen die wachsende Bedrohung durch digitale Risiken abzusichern.

Um eine passgenaue Absicherung ohne Mehrkosten wegen Doppelversicherung bestimmter Schäden zu erreichen, empfiehlt sich eine fachkundige Beratung. Ein Spezialmakler wie CyberDirekt unterstützt Arztpraxen dabei, ihre individuellen Cyber-Risiken zu analysieren und den optimalen Versicherungsschutz mit den besten Konditionen zu finden.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ist nicht als Beratung zu verstehen. Die CyberDirekt GmbH lehnt jegliche Haftung für Handlungen ab, die Sie aufgrund der in diesem Artikel enthaltenen Inhalte vornehmen oder unterlassen.

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